Renate Olbrich

Renate Olbrich. Foto: Renate Olbrich.

Auf den ersten Blick sehen die collageartigen Werke von Renate Olbrich wie Malereien aus. Der zweite Blick lässt computergenerierte Bildwelten vermuten. Poetische Motivtableaus, Stillleben, Arrangements, Landschaftsdetails, Tiere, Pflanzen, Sumo-Ringer erscheinen wie Erinnerungsskizzen vor dem Auge des Betrachters, jäh scharfe Kontur annehmend, um sich bar ihrer Flüchtigkeit zu einem kurzweiligen intensiven Moment zu verdichten. Die expressiv farbigen Bilder sind jedoch mit einer analogen Kamera und der von Renate Olbrich wieder entdeckten Technik der Farb-Solarisation entstanden.

Dabei sind die Übergänge zwischen Fotografie und Malerei gleichwohl fließend. Die gelernte Fotografin Renate Olbrich malt mit Licht. In der Dunkelkammer werden die Handabzüge der Farbnegative und Diapositive stark überbelichtet, wodurch sich die Farbwerte umkehren. Mit Hilfe spezieller Chemikalien entstehen die prächtigen Farbvaleurs, meist in Rot, Orange oder Gelb, die die Arbeiten stark emotional aufladen und unmittelbar sinnlich erfahrbar machen. […]

In Renate Olbrichs Bildern durchdringen sich geschichtliche Orte, unterschiedliche Kulturen, antike Mythologie, zeitgenössische Medienbilder, kunstgeschichtliche Zitate und Nippes. Den Bildern ist etwas Persönliches zu Eigen, etwas Privates. Zugleich verbindet Renate Olbrich ihre individuelle Mythologie mit der kollektiven. Aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, gehen die Objekte neue Bedeutungszusammenhänge ein […] und […] ein vieldeutiges Beziehungsgeflecht mit der Welt des Betrachters ein.

Ein ähnlich dramaturgisches Verfahren wendet Renate Olbrich bei ihren Malereien an, wobei hier Fotografien von Objekten die ursprünglichen Motive ausmachen, die malerisch und mit der Technik der Collage umgesetzt werden. Dabei geraten die Dinge wie in den Fotografien zu etwas Anderem, ohne um ihr Eigenes gebracht zu werden. Renate Olbrichs künstlerische Praxis ließe sich mit der Verwendung von rhetorischen Figuren beschreiben. Das bildliche Geschehen wird nicht von außen bestimmt, sondern bildet die Verlaufsformen der Bildsprache selbst. Im Gegensatz zur Logik und Grammatik erschließt Renate Olbrich ihre Bildsprache von innen und erschafft so eine spektakuläre Poesie.
Dr. Lucci, Stefanie: Im Schlaf des Lichts. Juni 2010.

Anmerkung der Redaktion: Da Renate Olbrichs Werk die Fotografie gewissermaßen zur Basis hat, ist sie hier unter der Rubrik Fotografie verzeichnet. Wie dem Text von Dr. Lucci zu entnehmen, ist Renate Olbrich auch als Malerin aktiv.

Kontakt

Renate Olbrich
Westwall 6 · 47798 Krefeld
renate-olbrich@onlinehome.de · http://www.renate-olbrich.de